Wenn du mit PCOS diagnostiziert wurdest, wirst du bald einen neuen Namen für deine Erkrankung hören: PMOS, kurz für Polyendocrine Metabolic Ovarian Syndrome. Der alte Name — Polyzystisches Ovarialsyndrom — wird seit Jahren kritisiert, weil er in die Irre führt. Er legt nahe, dass die Erkrankung vor allem durch Zysten an den Eierstöcken definiert wird. Das stimmt so nicht — viele Betroffene haben gar keine Zysten, und die eigentlichen Merkmale der Erkrankung liegen tiefer: in hormonellen und stoffwechselbedingten Prozessen, die den ganzen Körper betreffen.
Der neue Name ist das Ergebnis eines umfangreichen internationalen Prozesses, an dem über 14.000 Betroffene und Fachleute aus aller Welt beteiligt waren. Das Ziel war eindeutig: ein Name, der die Erkrankung genauer beschreibt, weniger Stigma erzeugt und dazu beiträgt, dass Frauen schneller und vollständiger diagnostiziert werden. Denn ein ungenauer Name hat reale Konsequenzen — er verzögert Diagnosen, fragmentiert die Behandlung und beeinflusst, wie ernsthaft Forschung und Gesundheitspolitik das Thema angehen.
Die Umbenennung wird schrittweise eingeführt, begleitet von Aufklärungskampagnen und einer Anpassung in Gesundheitssystemen weltweit. PCOS bleibt dir als Begriff vertraut — aber PMOS beschreibt besser, was wirklich in deinem Körper passiert.
Das ist neu:
Die Diagnosekriterien selbst bleiben unverändert. Erwachsene Frauen ab 20 Jahren erhalten die Diagnose, wenn mindestens zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sind: unregelmäßiger oder ausbleibender Eisprung, erhöhte Androgenwerte oder entsprechende Symptome wie vermehrter Körperbehaarung, sowie ein auffälliger Ultraschallbefund der Eierstöcke oder ein erhöhter AMH-Wert. Bei Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren müssen die ersten beiden Kriterien zwingend vorliegen, um Fehldiagnosen in der Pubertät zu vermeiden.
Was sich verändert, ist das Verständnis der Erkrankung dahinter. PMOS ist keine rein gynäkologische Störung — sie betrifft den ganzen Körper. Die Auswirkungen reichen weit:
Stoffwechsel: erhöhtes Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Lebererkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlafapnoe.
Fortpflanzung: Zyklusunregelmäßigkeiten, Unfruchtbarkeit, Schwangerschaftskomplikationen und ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs.
Psyche: Depressionen, Angststörungen, eingeschränkte Lebensqualität und Essstörungen.
Haut: Akne, Haarausfall und verstärkter Haarwuchs im Gesicht oder Körper.
Das erklärt auch, warum so viele Betroffene jahrelang ohne Diagnose bleiben — bis zu 70 % aller Frauen mit PMOS sind nach aktuellem Stand nicht diagnostiziert. Wer nur an Zysten denkt, übersieht die eigentliche Erkrankung. Der neue Name soll genau das ändern: mehr Bewusstsein, schnellere Diagnosen und eine Behandlung, die den ganzen Menschen in den Blick nimmt.
Was verändert die Namensgebung für eure Behandlung oder Diagnose?
Liebe Grüße,
Franziska von edubily