Gestern haben wir auf Instagram eine Umfrage zu den häufigsten Ursachen für Cravings gemacht. Dabei wurde besonders häufig der Zyklus als Auslöser angeklickt. Das passt gut zur Datenlage: Zyklusbedingte Cravings sind kein seltenes Phänomen, sondern lassen sich neuroendokrin und stoffwechselphysiologisch gut erklären.
Zyklusbedingte Cravings: neuroendokrine Regulation statt Kontrollverlust
Viele Frauen erleben in bestimmten Zyklusphasen einen deutlich erhöhten Appetit auf süße, salzige oder besonders energiedichte Lebensmittel. Diese Cravings sind selten Ausdruck mangelnder Disziplin, sondern häufig eine physiologisch nachvollziehbare Folge zyklischer Veränderungen im Hormon- und Neurotransmitterhaushalt.
In der zweiten Zyklushälfte (Lutealphase) steigen Progesteronspiegel an, während Östrogen im Vergleich zur Ovulationsphase abfällt. Diese hormonelle Verschiebung beeinflusst zentrale Regulationssysteme im Hypothalamus, die Hunger, Sättigung und Energiehomöostase steuern. Gleichzeitig zeigen viele Frauen in dieser Phase einen leicht erhöhten Energieverbrauch, was den Bedarf an verfügbarer Energie zusätzlich erhöhen kann.
Auch neurochemisch sind Cravings erklärbar: Schwankungen in serotonergen Signalwegen können Stimmung und Appetitregulation verändern. Da Kohlenhydrataufnahme über Insulin den Tryptophantransport ins Gehirn erleichtern kann, werden besonders „schnelle“ Energiequellen subjektiv attraktiver. Parallel können dopaminerge Belohnungskreisläufe sensibler auf palatable foods reagieren, was die Motivation für bestimmte Nahrungsmittel verstärkt.
Cravings sind damit nicht zufällig, sondern oft ein biologisches Signal für veränderte Stoffwechsel- und Stressregulation in einer hormonell sensiblen Phase.
3 Tipps, die helfen können
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Regelmäßige Mahlzeiten zur Stabilisierung der Glukose- und Insulindynamik
Protein, Ballaststoffe und Fette fördern Sättigung und reduzieren starke Blutzuckerschwankungen, die Cravings verstärken können. -
Cravings funktionell beantworten statt restriktiv unterdrücken
Häufig steht kein „Zuckerhunger“, sondern ein erhöhter Energie- oder Mikronährstoffbedarf im Hintergrund. Gezielte Snack-Optionen sind oft nachhaltiger als strikte Kontrolle. -
Schlaf und Stressachsen berücksichtigen
Schlafmangel und chronischer Stress erhöhen Cortisol und verstärken appetitfördernde Signale (u.a. Ghrelin), besonders in zyklussensiblen Phasen.
Cravings sind nicht das Problem. Sie sind ein Hinweis darauf, dass der Körper in dieser Phase anders reguliert — nicht falsch, sondern zyklisch.
Wie ist das bei euch? Habt ihr starke Cravings in der zweiten Zyklushälfte?
Liebe Grüße vom edubily-Team