Liebe Frauen,
Eine neue Studie mit über 17.000 Erwachsenen zeigt: Bekannte Risikofaktoren für Demenz wirken sich bei Frauen stärker auf das Gehirn aus als bei Männern. Was das bedeutet und was wir konkret tun können:
Zwei Drittel aller Alzheimer-Erkrankungen in den USA betreffen Frauen. Das ist keine neue Zahl. Aber lange hieß es: Frauen leben länger, deshalb trifft es sie öfter. Das war die einfache Antwort.
Forscherinnen und Forscher der University of California San Diego haben jetzt etwas herausgefunden, das tiefer geht. Sie haben Daten von mehr als 17.000 Erwachsenen mittleren und höheren Alters ausgewertet und dabei festgestellt: Dieselben Risikofaktoren für Demenz schlagen bei Frauen stärker auf die kognitive Leistungsfähigkeit durch als bei Männern. Das Gehirn reagiert anders. Nicht weil es schwächer wäre, sondern weil es anders ist.
„Wir haben festgestellt, dass manche Risikofaktoren einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf die kognitive Funktion von Frauen haben. Das legt nahe, dass Präventionsansätze gezielt angepasst werden sollten.“ — Megan Fitzhugh, PhD, UC San Diego School of Medicine
Was die Studie konkret zeigt
Die Forscherinnen und Forscher haben 13 bekannte Demenzrisikofaktoren untersucht – darunter Bildungsstand, Bewegungsmangel, Depressionen, Bluthochdruck, Diabetes, Schlafprobleme und Übergewicht. Einige kommen häufiger bei Frauen vor, andere häufiger bei Männern. Aber das Entscheidende war nicht die Häufigkeit, sondern die Wirkung.
Häufiger bei Frauen in der Studie: Depressionen (17 % gegenüber 9 % bei Männern), körperliche Inaktivität (48 % gegenüber 42 %) und Schlafprobleme (45 % gegenüber 40 %). Häufiger bei Männern: Hörverlust (64 % gegenüber 50 %), Diabetes (24 % gegenüber 21 %) und starker Alkoholkonsum (22 % gegenüber 12 %).
Und hier wird es interessant: Hörverlust und Diabetes kommen häufiger bei Männern vor, waren aber trotzdem stärker mit schlechteren kognitiven Werten bei Frauen verbunden. Bluthochdruck und erhöhter BMI zeigten bei Frauen ebenfalls einen steileren negativen Zusammenhang mit der Gehirnleistung. Dasselbe Risiko, ein anderer Effekt.
Warum das lange übersehen wurde
Gesundheitsforschung hat Frauen als Gruppe historisch häufig unterrepräsentiert. Klinische Studien wurden lange hauptsächlich an Männern durchgeführt mit der Annahme, die Ergebnisse ließen sich übertragen. Das stimmt für Herzerkrankungen nicht. Für Krebs nicht. Und wie diese Studie zeigt: auch nicht für Alzheimer.
Die Forscherin Judy Pa bringt es direkt auf den Punkt: Geschlechtsspezifische Unterschiede werden bei vielen der häufigsten Todesursachen tiefgreifend übersehen. Das soll sich ändern.
Was wir daraus mitnehmen können
Der entscheidende Satz aus der Studie lautet: Viele dieser Risikofaktoren sind veränderbar.
Die Forscherinnen und Forscher empfehlen für Frauen konkret: mehr Aufmerksamkeit für behandelte Depressionen, regelmäßige Bewegung und besonders unbehandelten Bluthochdruck. Letzterer wird bei Frauen häufig unterschätzt, obwohl er einer der stärksten Einflussfaktoren auf die Gehirngesundheit war.
Was das im Alltag heißen kann:
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Blutdruck regelmäßig messen und behandeln lassen, wenn er erhöht ist
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Depressionen ernst nehmen und aktiv angehen, nicht nur aushalten
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Bewegung nicht als Nice-to-have, sondern als neurologische Prävention begreifen
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Schlafprobleme nicht ignorieren
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Beim nächsten Arzttermin nachfragen, ob das eigene Geschlecht bei der Risikoeinschätzung berücksichtigt wird
Quelle: Fitzhugh, M.C. & Pa, J. (2026). Sex differences in modifiable risk factors of dementia and their associations with cognition. Biology of Sex Differences, 17(1).