Adipositas trifft Männer und Frauen unterschiedlich

Liebe Frauen,

wir sind keine kleinen Männer, werden in der Medizin aber immer noch oft so behandelt. Beim European Congress on Obesity wurde eine Studie vorgestellt, die das Thema Übergewicht bei Mann und Frau behandelt.

Türkische Forscher haben über 1.100 Menschen mit Adipositas untersucht und dabei klare Unterschiede zwischen den Geschlechtern gefunden:

Bei Männern lagert sich das Fett stärker im Bauchraum rund um die inneren Organe an (sogenanntes viszerales Fett). Das ist die Fettart, die mit Herz-Kreislauf-Problemen und Stoffwechselerkrankungen besonders eng zusammenhängt. Außerdem hatten die Männer in der Studie höhere Leberwerte und Blutdruckwerte.

Bei Frauen zeigte sich dagegen eine stärkere systemische Entzündungsreaktion sowie erhöhte Cholesterinwerte, beides Faktoren, die ebenfalls das Herzerkrankungsrisiko und das Diabetesrisiko erhöhen.

Die Forscher erklären das unter anderem mit Hormonen (vor allem Östrogen beeinflusst, wo und wie Fett gespeichert wird), dem Immunsystem und genetischen Faktoren. Spannend ist, dass Frauen generell eine aktivere Immunantwort zeigen, was sich eben auch in höheren Entzündungsmarkern niederschlägt.

Die Studienautoren hoffen, dass solche Erkenntnisse irgendwann zu geschlechtsspezifischeren Therapieansätzen führen. Aktuell steckt das aber noch in den Anfängen und die Ergebnisse müssen in größeren, vielfältigeren Gruppen bestätigt werden.

Habt ihr das Gefühl, dass eure Ärzte bei dem Thema schon differenziert vorgehen, oder wird das bei euch auch noch sehr nach „Einheitsgröße“ behandelt?

Liebe Grüße,

Franziska von edubily

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Ich habe den Eindruck, dass Adipositas in der Praxis nach wie vor kaum wirklich behandelt wird und schon gar nicht differenziert oder geschlechtsspezifisch. Häufig reduziert sich die „Therapie“ darauf, mehr Bewegung/ Sport zu empfehlen oder ab einem BMI von 30 relativ schnell operative Maßnahmen in den Raum zu stellen. Dabei bleiben die eigentlichen Ursachen oft völlig unberücksichtigt. Statt einer ursachenorientierten Herangehensweise wird in vielen Fällen lediglich das Symptom behandelt. Statt einer rein symptomatischen Behandlung des Gewichts wäre ein ganzheitlicher Ansatz notwendig, der die individuellen Ursachen identifiziert und gezielt angeht. Erst wenn die Hintergründe verstanden und berücksichtigt werden, kann eine nachhaltige und erfolgreiche Behandlung gelingen.

Leider wird Adipositas in der Gesellschaft nach wie vor häufig mit mangelnder Disziplin, Faulheit oder fehlender Willenskraft gleichgesetzt.. Diese Sichtweise greift jedoch viel zu kurz. Die Ursachen können sehr vielfältig sein: hormonelle Faktoren, psychische Belastungen, Stoffwechselstörungen, Medikamente, soziale Umstände oder auch geschlechtsspezifische Unterschiede spielen eine große Rolle. Wer die Erkrankung ausschließlich auf das Essverhalten reduziert, übersieht die komplexen Zusammenhänge, die zur Entstehung von Adipositas beitragen können. Solange diese Aspekte nicht stärker berücksichtigt werden, bleibt die Behandlung aus meiner Sicht unvollständig und wenig nachhaltig.

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