Liebe Frauen,
vielleicht kennt ihr die Aussage: „Du bist, was du isst“. Präziser wäre aber: Du bist, was dein Mikrobiom daraus macht.
Denn Ernährung wirkt nicht bei jedem Menschen gleich. Eine Humanstudie mit 1.002 Teilnehmenden zeigte, dass identische Mahlzeiten zu sehr unterschiedlichen Blutzucker- und Blutfettreaktionen führten. Dabei erwies sich das individuelle Darmmikrobiom als ein stärkerer Einflussfaktor als die Zusammensetzung der Mahlzeit selbst.
Das Darmmikrobiom fungiert als hochaktive biochemische Schnittstelle zwischen Nahrung und Stoffwechsel. Darmbakterien sind in der Lage, Nährstoffe umzubauen, pflanzliche Vorstufen zu aktivieren und neue bioaktive Metabolite zu bilden. Dadurch beeinflussen sie maßgeblich, welche physiologischen Effekte aus einer bestimmten Ernährung überhaupt entstehen können.
Sulforaphan aus Brokkoli
Ein eindrückliches Beispiel ist Brokkoli. Er enthält Glucoraphanin, eine biologisch zunächst inaktive Vorstufe. Erst durch mikrobielle und enzymatische Umwandlung entsteht daraus Sulforaphan, ein bioaktiver Pflanzenstoff mit intensiv untersuchten gesundheitsrelevanten Eigenschaften. In einer Humanstudie zeigte sich, dass aus derselben Menge Brokkoli, abhängig vom individuellen Mikrobiom, zwischen 2 % und 38 % Sulforaphan gebildet wurden. Der Nahrungsinput war identisch, die metabolische Antwort jedoch nicht.
Gehören auch dazu: Soja und Granatapfel
Dieses Prinzip reicht weit über Brokkoli hinaus. Zahlreiche gesundheitlich relevante Verbindungen entstehen erst durch mikrobielle Stoffwechselprozesse im Darm – darunter Equol aus Soja, Urolithin A aus Ellagitanninen beispielsweise aus Granatapfel sowie kurzkettige Fettsäuren aus fermentierbaren Ballaststoffen. Welche Metabolite gebildet werden und in welchem Ausmaß sie zur Verfügung stehen, wird wesentlich durch die Zusammensetzung und Funktion des individuellen Mikrobioms bestimmt.
Equol gegen Wechseljahrsbeschwerden
Beim Thema Soja und Phytoöstrogene spielt die Equolproduktion eine wichtige Rolle, denn: Ob Frauen Equol produzieren oder nicht, beeinflusst, wie sie auf Supplements mit Phytoöstrogenen z. B. gegen Wechseljahrsbeschwerden reagieren. Nur ca. ein Drittel aller Frauen können Equol aus dem ausgenommenen Sojaisoflavon Daidzein durch die Darmbakterien produzieren. Diese Umwandlung ist durchaus erwünscht, denn Equol ist bekannt dafür, an den Östrogenrezeptor-Beta anzudocken und so eine sicher aber wirkungsvolle östrogenähnliche Wirkung zu haben. Frauen, die Equol produzieren, sprechen also leichter und sicherer auf Phytoöstrogene an.
Diese Erkenntnisse verdeutlichen: Ernährung ist kein universelles Copy-Paste-Konzept. Nicht allein das Lebensmittel entscheidet über seine Wirkung, sondern auch die mikrobiellen Stoffwechselprozesse, die zwischen Aufnahme und biologischem Effekt stattfinden.
Wusstest du von diesen Zusammenhängen?
Liebe Grüße vom edubily-Team